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42 Dtsch. Z. Ges. Gerichtl. Med. 1 (1953-1954)

handle is hein.journals/injlegame42 and id is 1 raw text is: Deutsche Zeitschrift fur gerichtliche Medizin, Bd. 42, S. 1-30 (1953).

Kriminalbiologische Jntersuchungei
im Badischen Jugendstrafvollzug.
Von
Dr. PAuL RIFFEL (Freiburg i. Br.),
Oberregierungsmedizinalrat i. R.
Die Errichtung kriminalbiologischer Untersuchungsstellen im bayeri-
schen und sachsischen Strafvollzug, im Laufe der Jahre nach dem ersten
Weltkrieg, veranlailte seinerzeit das Badische Justizministerium, auch
fur seinen Dienstbereich diese fortschrittliche Einrichtung ins Auge zu
fassen.
Der Verfasser wurde beauftragt, auf Grund seiner Kenntnis des
Untersuchungsdienstes am Zuchthaus in Straubing und an den sachsi-
schen Gefangenenanstalten, einen fur den badischen Strafvollzug ge-
eigneten Plan auszuarbeiten. Die pers6nlichen Erfahrungen in der
Jugendlichenabteilung an den Strafanstalten in Bruchsal legten es nahe,
zunachst einmal mit Untersuchungen aus diesem Kreis Krimineller den
Anfang zu machen. Es versprach dies Vorteile in mannigfacher Richtung.
Zunachst einmal sind Auskninfte nber jugendliche Probanden, ihre
Eltern, Geschwister und andere Sippenangeh6rige, ferner uber Eltern-
haus, Erziehungsverhaltnisse, Schulerfolge, Lehre, Entwicklungsgang,
Pubertat, Erkrankungen, Entwicklungsstorungen, gestaltende Erlebnisse
u. a. leichter und vollstandiger zu erlangen, als fiber altere, oft lange
schon auger Zusammenhang mit Familie und Heimat stehende Ge-
fangene.
So 1a1Bt sich auflerdem der Werdegang Krimineller nicht nur retro-
spektiv, sondern auch in seinem weiteren Verlauf verfolgen. Das er-
scheint sehr wichtig, weil bekanntlich gerade Friihkriminelle haufig
zu habituellen Verbrechern sich entwickeln. Auf diesem      Weg kann
dann allmahlich im Lauf der Jahre eine ganze Registratur von krimi-
nellen Pers6nlichkeiten angelegt werden.
Eine Sammlung solchen Materials versprach weiterhin nicht nur
Gewinnung von Unterlagen fiber Bedeutung von Erbmasse, Anlage-
und Umweltverhaltnissen, sondern auch fur die Strafvollzugspraxis
wichtige Anhaltspunkte nber Erfolg oder Nichterfolg von Erziehungs-
und Resozialisierungsmallnahmen. Und endlich fur Gerichte und Staats-
anwaltschaften stets bereitliegendes Auskunftsmaterial, notigenfalls auch
zu Spezialgutachten.
Die Untersuchungen wurden dabei weniger abgestellt auf friihzeitige
Typisierung und Auswahl fur den Stufenstrafvollzug, als vielmehr auf
Gewinnung mnglichst ausgiebiger Grundlagen fur eine schlie1l3iche soziale

Zeitschr. f. gexichtl. Medizin. Bd. 42.

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