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1985 DAJV Newsl. 1 (1985)

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DAJV - DEUTSCH-AMERIKANISCHE JURISTEN-VEREINIGUNG e.V. - DAJV


N EWS LETTER


Bonn                                          1185                                    Januar 1985

              Die Vereinigten Staaten und der Wiederaufbau Deutschlands
                                        Ein R~ickblick


Uber dieses Thema sprach der 82j~hrige deutsch-
amerikanische Jurist und ehemalige Rechtsbera-
ter der US-Milit~rregierung und US-Botschaft Dr.
Joachim   von   Elbe   bei der traditionellen
Thanksgiving.Feier am 21. November 1984 im Ame-
rican Embassy Club in Bonn.
Das Interesse an dem Vortrag war so groB, daB die
Veranstaltung mit Ober 200 Mitgliedern und GA-
sten den Rekord des Jahres aufstellte.
Germany is wonderful - dieser Slogan der ame-
rikanischen Fremdenverkehrswerbung traf nicht
auf jenes Deutschland zu, das Dr. von Elbe 1945
vorfand, als er als Mitglied der amerikanischen
Streitkr~fte nach 11jahriger Abwesenheit bei Aa-
chen wieder deutschen Boden betrat. Wo immer er
hinkam, sah er TrOmmer und Schutt; Parkfl~chen,
wie der Tiergarten in Berlin, waren in Ackerland
umgewandelt und mit Kartoffeln und Kohl be-
pflanzt.
Diesem materiellen Trtmmerhaufen entsprach der
totale Zusammenbruch der deutschen Staats- und
Rechtsordnung, der allerdings schon Jahre fraher,
mit der Macht0bernahme durch die Nationalsozia-
listen, begonnen hatte. Dr. von Elbe illustrierte
dies mit Beispielen aus Gesetzgebung und Praxis
des Dritten Reiches und zeigte, wie die national-
sozialistische FOhrung bis zuletzt, Ober Hitlers Tod
hinaus, in verblendeter Verkennung der Realitat an
ihren Zielen und Vorstellungen festgehalten hatte.
Nachdem jedoch die totale Besetzung deutschen
Bodens durch die Truppen der Alliierten jeden mili-
t~rischen Widerstand sinnlos gemacht und das
Oberkommando der deutschen Wehrmacht die be-
dingungslose Kapitulation erklrt hatte, schlug am
9. Mai 1945 for Deutschland die Stunde Null.
WOrde es eine neue Zukunft fOr Deutschland ge-
ben oder w0rden VergeltungsmaBnahmen der jet-
zigen Siegerstaaten, die von Deutschland mit die-
sem Krieg aberzogen worden waren, die nun offen

                Aus dem Inhalt:
 Veranstaltungsvorschau  .............................  3
 Modernization of Corporate Law  in the US  ............. 5
 Neue Entwicklungen im amerikanischen Recht  ........ 7
 Rechtsruck des Supreme Court?  .....................  11
 Patent Validity, a European Perspective  ..............  13
 Patent and Trademark Actions/Sec. 337 Tariff Act ..... 15
 Neue Verbffentlichungen  ...........................  17
 Neue Abzugsvorschriften f. amerikan. Immobilien  .... 19
 Trendwende in der US-Antitrustpolitik  ................  23
 BEILAGEN: Beitragsrechnung 1985, Tatigkeitsbericht des
 Vorstandes, Einladung zur Mitgliederversamlung 1985;
 Werbeprospekt Verlag C.H. Beck


zutage tretenden katastrophalen Zusttnde (Hun-
gersn~te, Fldchtlinge, Kriegsgefangene, Zusam-
menbruch jeglichen Versorgungs- und Verwal-
tungssystems) weiter verschlimmern? Was war
Amerikas Rolle in jener Situation? Was hatte es
bewogen, in diesen Krieg einzutreten, einen euro-
p&ischen Krieg um europtische Ziele? Welche Zie-
le verfolgte es selber und inwieweit beeinfluBten
sie seine Deutschlandpolitik? Mit diesen Fragen
setzte sich Dr. von Elbe in seinen weiteren Ausfoh-
rungen auseinander.


                               Dr. Joachim von Elbe
Hitler hatte den Vereinigten Staaten am 11. Dezem-
ber 1941 (4 Tage nach Pearl Harbour) den Krieg er-
kl~rt. Die Motive fOr diesen Schritt (nach Sebastian
Haffner der einsamste seiner einsamen Ent-
schlOsse) sind unklar, sein Bandnis mit Japan
h~tte ihn nicht dazu verpflichtet. Die Vereinigten
Staaten schatzten die deutsche Gefahr gr6Ber
ein als die japanische, sie konzentrierten deshab
ihre Streitkr~fte auf Europa (Germany first) und
beschlossen, den Krieg bis zur bedingungslosen
Niederlage Deutschlands zu f0hren. Mit GroBbri-
tannien und der Sowjetunion bestand Einigkeit
Ober das Kriegsziel: Deutschland sollte nie wieder
die Fahigkeit besitzen, einen Krieg zu f0hren. Des-
halb sollte es aufgeteilt werden. Dabei hatten die
Alliierten unterschiedliche Teilungsvorstellungen
(am weitesten gingen die der Amerikaner: Auftei-
lung von Deutschland in mehrere vollstandig sou-
verane und entmilitarisierte Staaten, die lediglich
durch ein Netz von Post-, Verkehrs-, Eisenbahn-
und Zollabkommen miteinander verbunden sein